Bauchgefühl - MPS Angersbach

MPS Angersbach
Aktuell: Exkursion 16.3.2018: "Wild im Wald - Wald und Wild", Ort: Hochbehälter Angersbach, 15.00Uhr
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Bauchgefühl

Berichte > Presse
Pressebericht für den Lauterbacher Anzeiger
Auf das „Bauchgefühl“ der Kinder achten
Theaterstück gegen sexuelle Gewalt
Angersbach (hwg). Derzeit veranstaltet das beim Landratsamt des Vogelsbergkreises angegliederte „Bündnisses für Familie“ Präventionsveranstaltungen gegen sexuelle Gewalt in verschiedenen Grundschulen des Vogelsbergkreises. Das Mathom-Theater aus Melle zeigt dabei das Theaterstück „Finger weg von Julia“, das von Regina und Klaus Gwiasda sehr einfühlsam und wirkungsvoll, mit ansprechender und doch einfacher Licht- und Tontechnik in Szene gesetzt wird. 
Am Mittwoch waren dazu die Eltern der Schüler der Klassen 1 – 4 der Mittelpunktschule Angersbach (MPS) eingeladen, um ihnen zuerst das Stück zugänglich zu machen und entsprechende Diskussionen anzuregen. Am folgenden Tag wird dann für die Kinder das Theaterstück gespielt. Es handelt sich bei dem Stück „Finger weg von Julia“ um ein so genanntes kindgerechtes Präventions-Theaterstück, das die Kinder gemeinsam mit ihren Pädagogen einfühlsam in die schwierige Thematik einführen soll. Inhaltliches Ziel des Stückes ist es, dass die Kinder lernen sollen, selbst über ihren Körper zu bestimmen, hinreichende Sensibilität für grenzüberschreitende Situationen zu entwickeln und auch gegenüber Erwachsenen zu lernen, in bestimmten Situationen mit gutem Gewissen „Nein“ zu sagen. Gefolgt waren der Einladung rund 50 Eltern und Lehrkräfte, überwiegend jedoch Mütter. Die Handlung beginnt damit, dass Julia von Tom, Onkel ihrer Freundin Lotte, an der Bushaltestelle angesprochen wird. Tom findet als gemeinsame Gesprächsbasis den Turnverein, ist sehr nett zu ihr und spendiert ihr ein großes Eis. Der Wechsel des Bühnenbildes zeigt Julia dann in ihrem Zuhause. 
Durch einen Zahnarzttermin der Mutter muss Julia alleine zum turnen in die Sporthalle fahren. Zwar findet der Turnunterricht nicht statt, was Julia vergessen hatte und deshalb alleine dort ist, aber Tom ist auch erschienen und schmeichelt ihr, um Fotos von ihr für die Zeitung zu machen. Sie möchte dies zwar nicht, er ruft aber bei Julia Gewissensbisse mit dem Hinweis hervor, dass er ohne Fotos die Arbeit verlieren könnte. Schließlich willigt sie ein, so dass Tom Fotos von ihr im Sportdress fertigt. Dann verlangt er von ihr, dass sie sich ausziehen soll. Da sie sich verbal und körperlich dagegen wehrt, wird Tom aggressiv. Das Rufen des Hausmeisters unterbindet weitere Folgen. Tom mahnt Julia, dass sie niemand von den Fotos etwas erzählen soll, dies wäre ihr „kleines gemeinsames Geheimnis“. Die Folge dieses Geschehens ist, dass Julia in der Folge nicht mehr den Turnunterricht besucht und ihr Wesen verändert. Erst nachdem die Trainerin Julias Mutter nach dem Fernbleiben befragt, offenbart sich diese über das Geschehen mit Tom. Die Mutter meldet den Vorfall der Polizei, die Ermittlungen einleitet und Tom vorlädt. Tom ist bereits einschlägig in Erscheinung getreten.
Im Anschluss an das Stück standen für die Zuhörer Frau Dagmar Haß von der Fachstelle beim Vogelsbergkreis gegen sexualisierte Gewalt, Polizeihauptkommissar Roman Eisenbach von der Polizeidirektion Vogelsberg und die beiden Theaterprotagonisten für viele Fragen zur Verfügung. Frau Haß berichtete über ihre Arbeit und Problembereiche. Wie sie betonte, ist ihre Einschaltung nicht automatisch mit einer Weiterleitung des Vorfalles an die Polizei verbunden. Sie riet, auf das „Bauchgefühl“ der Kinder zu achten und gab Erläuterungen zum Schutz und Hinweise zum Erkennen von Gefühlsstörungen der Kinder. Eisenbach verwies auf die polizeiliche Statistik, dass der Vogelsbergkreis „keine heile Welt“ sei, die Dunkelziffer in dem Deliktsbereich „sexuelle Gewalt“ sehr hoch und vieles erst nach Jahren durch Betroffene angezeigt werde. Bei eingehenden Hinweisen auf eine Straftat müsse die Polizei aber in jedem Fall durch das Legalitätsprinzip der Strafprozessordnung Maßnahmen einleiten. Viele Fragen konnten durch das Quartett auf der Bühne beantwortet werden. Mit dem Puppentheaterstück“Grüni und Grumilla - ein Frosch will nicht geküsst werden“ wird das Mathom-Theater in den nächsten Tagen verschiedene Kindergärten im Vogelsbergkreis aufsuchen.

Nr. 1: Beantworteten viele Fragen der Zuhörer (v. l.). Ehepaar Gwiasda, Frau Dagmar Haß, PHK Roman Eisenbach.
Fotos: Gohlke



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